Impulse vom PR-Nachwuchs: Selfies im Netz – zur Reflexion von Bildposts

Posted on Okt 5, 2017

Studierende der Europäischen Medien- und Businessakademie (EMBA) im Bereich Kommunikations- und Medienmanagement stellen in unserem Blog ab sofort ihre Bachelorarbeiten, Start-Ups und PR-Praxisprojekte vor. Nina Benfer hat für ihre Bachelorarbeit den Umgang mit Selfies untersucht. 

Spontane Selfies auf Instagram, Facebook oder via WhatsApp gehören zum Alltag vieler „Digital Natives“. Nach dem Posten folgen die spontanen Likes und Kommentare der Community oft im Sekundentakt. Da es Usus ist, lediglich positive Kommentare abzugeben, bleibt die Frage offen, was diejenigen über das Bild denken, die nicht darauf reagieren.

Wie missverständlich Bildkommunikation sein kann, hat der in Berlin lebende israelisch-deutsch Autor und Künstler Shahak Shapira 2016 mit seinem Kunstprojekt „Yolocaust“ gezeigt. Shapira sammelte für sein Projekt Bilder von Menschen, die sich vor dem Holocaust- Mahnmal in Berlin für ihre Selfies in Szene setzten – etwa, indem sie dort jonglierten oder akrobatische Sprünge inszenierten und dies entsprechend kommentierten. Diese Bilder bearbeitete Shapira  so, dass sich beim Fahren mit der Maus über die Bilder der Hintergrund änderte. Wo auf dem Selfie ein springender Mann vor dem Mahnmal zu sehen war, sah man ihn nun optisch auf Leichenbergen springen. Damit entsprach das „neue“ Bild der vom User gewählten Bildunterschrift.  Im Beispiel oben hatte der Urheber es mit dem Kommentar  „Jumping on dead Jews“ versehen – angeblich, um einer Gruppe von Freunden einen internen Witz zukommen zu lassen. Sichtbar war es aber für Millionen.

Shapiras Kunstprojekt inspirierte mich dazu, in meiner Bachelorarbeit über die Selbstdarstellung auf Social Media zu untersuchen, inwiefern sich Absender von Selfies beim Posten darüber bewusst sind, dass  ihre Bilder anders wahrgenommen und interpretiert werden als beabsichtigt. In diesem Zusammenhang untersuchte ich auch, ob Geschlecht oder Alter den Umgang mit Selfies im Netz beeinflussen.

Mit einer Darstellung zentraler Erkenntnisse aus den Kommunikationswissenschaften und Recherchen zur Nutzung von sozialen Medien legte ich die Grundlagen für eine Befragung von Experten für (Online-)Kommunikation. Das Ergebnis meiner Untersuchung: User machen sich generell sehr wenig Gedanken darüber, wie ihre Beiträge auf andere wirken können.  Es geht ihnen in ihren Posts vorrangig um die Erfahrung von Bestätigung und die Generierung von Likes. Das Lebensalter ist kein ausschlaggebender Faktor für ein reflektierteres Handeln im Netz. Die „Digital Natives“, also Menschen, die mit dem Internet aufgewachsen sind, denken nicht mehr und nicht weniger als andere Jahrgänge über ihr Verhalten im Netz nach.

Auch geschlechtsspezifische Unterschiede habe ich untersucht. Frauen posten zwar mehr Bilder, besonders auf Instagram – aber schon anthropologisch  streben Männer ebenso sehr nach Bestätigung wie Frauen. Entsprechend sind sie bei der Suche nach Bestätigung nicht minder unreflektiert, das zeigen auch die von Shapira gesammelten Selfies. Demnach ist auch das Geschlecht kein relevanter Faktor in diesem Zusammenhang.

Was also bedingt ein reflektierteres Handeln im Netz? Wie kann man die fehlende Medienkompetenz, die sich in den von Shapira gesammelten Selfies zeigt, erhöhen? Diese Fragen bleiben angesichts der zunehmenden Nutzung von sozialen Medien relevant.

Nina Benfer, Absolventin der EMBA (B.A.) 2017